Gängeviertel eG

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Foto: Stadt Hamburg

„Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts erstreckte sich das Areal der Gängeviertel vom Hamburger Hafen über die Neustadt bis in die Innenstadt und bot tausenden Arbeiterfamilien eine Heimat. Aufgrund der unhaltbaren hygienischen Zustände begann die Stadt Hamburg nach der Choleraepidemie von 1892 mit der planmäßigen Sanierung, das heißt: dem Abriss der Gängeviertel. Die Reste gingen im Zweiten Weltkrieg verloren oder wurden 1958-64 wegen des Baus des Unilever- Hochhauses beseitigt. Nur einige Überbleibsel der Viertel standen lange Jahre vergessen entlang des Bäckerbreitergangs und zwischen Caffamacherreihe, Valentinskamp und Speckstraße – der Geburtsstraße des Komponisten Johannes Brahms. Bevor wir in die Gänge gekommen sind, sind diese denkmalwürdigen Häuser viele Jahre lang verfallen – während direkt daneben Büro- und Wohntürme aus Stahl und Glas gewachsen sind. Dabei wären die vielseitig geschnittenen Gebäude geradezu prädestiniert dafür gewesen, Teil der von den Stadtplanern angestrebten Mischung von Leben und Arbeiten in der Stadt zu sein. Anstatt die Häuser zu sanieren, hat sie die Finanzbehörde dann im Höchstgebotsverfahren verkauft und einen hohen Renditedruck auf sie gelegt. Mehrere Jahre versuchte ein Investor vergeblich, genehmigungsfähige Bauanträge für die Sanierung einzureichen und zog sich schließlich 2007 mit dem Verlust von drei Millionen Euro Planungskosten zurück. 2008 bekam der holländische Investor Hanzevast von der Stadt den Kaufzuschlag für das Gängeviertel. Allen verbliebenen Mietern wurde gekündigt. Laut offizieller Planung sollte im Sommer 2009 mit den Sanierungs- und Abrissarbeiten begonnen werden. Geschätzte 80 Prozent der historischen Substanz sollten verschwinden. Diese Pläne haben wir verhindert: Heute herrscht wieder Leben im Gängeviertel. Als wir am 22. August 2009 hierher gekommen sind, haben uns die alten Gebäude mit offenen Armen empfangen, und die Bewohner der Stadt haben mitten in ihrer Innenstadt ein altes Stück Hamburg neu für sich entdeckt. 3000 Besucher kamen alleine am ersten Wochenende, um mit uns zu feiern. Noch größer war unsere Freude, als die Stadt Mitte Dezember 2009 das Gängeviertel von dem Investor zurückkaufte – denn das heißt: Seitdem ist der Weg frei für noch mehr Leben, Arbeiten und Wohnen. Für mehr Kunst, Kultur und Soziales mitten in Hamburg. Im April 2010 haben wir der Stadt Hamburg ein Nutzungs- und Sanierungskonzept überreicht. Zur Vorstellung des Konzepts in der Öffentlichkeit haben wir zusammen mit Besuchern aus aller Welt ein „Zukunftswochenende“ gefeiert. Und wir arbeiten hart daran, dass wir auch in Zukunft viel zu feiern haben werden.“ so die Initiative auf Ihrer Website.

Das „Kulturquartier Hamburger Gängeviertel“ bzw. die Initiative „Komm in die Gänge“ wurde von der UNESCO zusammen mit dem Künstlerhaus Bethanien in Berlin als eines von zwei Beispielen für einen Ort kultureller Vielfalt aufgenommen. „Das Gängeviertel ist Ausdruck eines anderen Verständnisses von Stadtentwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe“, heißt es in der Begründung.

www.das-gaengeviertel.info

Quellen:

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Bürgerbahnhof Sulzfeld

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Foto: Bürgerbahnhof Sulzfeld

„Seit Jahren war der Bahnhof der Gemeinde Sulzfeld (Baden, Regierungsbezirk Karlsruhe) versperrt und unbewohnt. Planungen von Investoren gingen über die Millionengrenze hinaus und ließen sich nicht reduzieren. Somit lag kein Konzept über das weitere Schicksal des Bahnhofs vor. Aufgrund der angespannten Haushaltslage der Gemeinde suchten Gerold Kraus, Initiator des Bürgerbahnhofs, und weitere Mitstreiter nach Lösungen, wie man den historisch wertvollen und architektonisch wunderschönen Sulzfelder Bahnhof für die Zukunft erhalten und beleben könnte. Zusammen mit dem Gewerbe- und Verkehrsverein Sulzfeld wurden die dafür notwendigen Gewerke gefunden und eine Kalkulation für die Restaurierung erstellt. Aufgrund dieser Kostenkalkulation konnten noch im Oktober 2010 Landeszuschüsse beantragt werden, die bereits im Februar 2011 mit einer Höchstsumme bis 290.000 € bereitgestellt wurden. In der Folgezeit wurde die Idee eines Bürgerbahnhofs nach dem Leutkircher Modell im Gemeinderat, in der Verwaltung und in der Öffentlichkeit immer wieder diskutiert und vor Ort begutachtet. Eine im Sommer 2011 gegründete Genossenschaft erwirbt das Bahnhofsgebäude auf Erbpacht von der Gemeinde Sulzfeld. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde der Sulzfelder Bürgerbahnhof am 04.08.2013 feierlich eröffnet. Ministerialdirigent Hartmut Alker überreichte die Plakette für das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum (ELR). Der „Bürgerbahnhof Sulzfeld“ (Sulzfelder Bürgerbahnhof eG) wurde am 24. Oktober 2013, im Neuen Schloss in Stuttgart, mit dem 1. Preis des Staatsanzeiger-Wettbewerbs „Leuchttürme der Bürgerbeteiligung“ ausgezeichnet.

www.buergerbahnhof-sulzfeld.de

Quellen:

Dorfladen Gottwollshausen-Gailenkirchen eG

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Foto: Sven Nitsche (www.schwaebisch-hall.de)

„Die großen Handelsketten ziehen sich aus der Fläche zurück, auch kleine Läden und Dienstleistungsbetriebe schließen. Eine Entwicklung, die in der dörflichen Idylle Spuren hinterlässt. Statt wie früher zum Laden um die Ecke zu gehen, der auch als Kommunikationszentrum für das tägliche Gespräch der Einwohner miteinander diente, bleibt jetzt nur noch die mühevolle und inzwischen teure Fahrt zum weit entfernten Supermarkt. Es geht auch anders. Dies zeigen die Einwohnerinnen und Einwohner von Gottwollshausen und Gailenkirchen im Landkreis Schwäbisch Hall. Dass der zum Teil als altmodisch angesehene Genossenschaftsgedanke keineswegs tot ist, sondern im Gegenteil zukunftsweisend sein kann, beweist der 2005 gegründete genossenschaftliche Dorfladen in Gottwollshausen, der inzwischen schon auf acht erfolgreiche Geschäftsjahre zurückblicken kann. Deshalb haben wir im August 2007 ein zweites Ladengeschäft nach dem gleichen Konzept im Teilort Gailenkirchen eröffnet. Der Dorfladen Gailenkirchen ist ein deutliches Zeichen der Solidarität der Bürger dieses Ortes. 200 Bürger haben Genossenschaftsanteile von über 50.000 Euro gezeichnet“, sagte Walter Preisinger vorgestern bei der Eröffnungsfeier. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft Unser Dorfladen e.G. Gottwollshausen – Gailenkirchen und hat sich für die Laden-Realisierung eingesetzt. Es zeige, was in der globalen Welt in einem kleinen Ort möglich sei, wenn Menschen eine Vision hätten, Ideen entwickelten und in einem Netzwerk das erarbeitete Konzept in die Realität umsetzten. 38 ehrenamtliche Helfer haben 532 Stunden auf dem Bau gearbeitet und 20000 Euro an Kosten eingespart.

www.unsere-dorflaeden.de

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Bewahren Ferienhaus eG

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Foto: Karen Bork (www.karenbork.de)

Der durch die Einwirkungen des 2. Weltkrieges schwer beschädigte Wasserturm, erbaut 1897, wurde erst 1953 wiederhergestellt. Er versorgte die Stadt Waren bis zu seiner Stilllegung 1963 mit Wasser und wurde noch bis in die 90er Jahre von seinem letzten Wärter bewohnt. Nach seinem Auszug verfiel der Turm in einen Dornröschenschlaf. Um einen weiteren Verfall zu stoppen, sanierte die Stadt Waren 2001/2002 das Fachwerk nebst Dach. Mehrere Konzepte für eine zukünftige Nutzung des Turms wurden erstellt, die jedoch allesamt nicht zur Umsetzung kamen. Im Jahr 2009 schrieb die Stadt Waren den Wasserturm schließlich zum Verkauf aus. Die Genossenschaft Bewahren Ferienhaus eG wurde im Juli 2009 von sechs Personen, mit dem Ziel, den Wasserturm in Waren an der Müritz zu kaufen und zu vier Ferienwohnungen umzubauen, gegründet. Die Eintragung ins Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg erfolgte am 19. Januar 2010 unter dem Namen: BEWAHREN Ferienhaus eG. Inzwischen ist die Anzahl der Genossenschaftsmitglieder auf rund dreißig angewachsen. Weitere Genossen sind herzlich willkommen. Die Idee der Genossenschaft ist es, mit mehreren Genossen langfristig fünf bis sechs Ferienobjekte oder -orte am See, am Meer oder in den Bergen zu bewahren und zu Ferienzwecken nutzen. Der Wasserturm Waren wurde im März 2012 „Denkmal des Monats“ der Landesdenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern. Aus der Begründung: „Mit der Umnutzung des Wasserturms in Waren ist ein Kulturdenkmal und ehemaliges Wahrzeichen der Stadt in beispielhafter, den Denkmalwert sensibel berücksichtigender Weise instandgesetzt und umgenutzt worden. Den am Bau Beteiligten gelang es, in bemerkenswerter Weise Alt und Neu zu verbinden. Diese gelungene Verzahnung macht den nun für Ferienzwecke dienenden Wasserturm einzigartig.“

www.bewahren.org

Quellen:

Programmkino Würzburg

Foto: Kaleidosblog (http://blog.kaleidoscom.de)

Foto: Kaleidosblog (http://blog.kaleidoscom.de)

In Würzburg betreiben 250 BürgerInnen das erste Genossenschaftskino Bayerns: „Im Jahr 2009 schließt das beliebte Programmkino ‚Corso‘ in Würzburg. 2.700 BürgerInnen unterzeichnen innerhalb von drei Wochen eine Petition zum Fortbestehen eines Programmkinos in der Stadt und übergeben diese an die Stadtspitze. Dieser Antrag stößt bei Kulturreferent Al Ghusain auf offene Ohren und wird von der Stadt unterstützt. Es bildet sich eine Gruppe mit der Unterstützung des Kulturreferenten: Ziel ist eine Programmkino-Initiative. Daraus entwickelt sich im Frühjahr 2010 eine ca. 12-köpfige Arbeitsgruppe, die aus Vertretern verschiedener Berufsgruppen besteht (Architekt, Hochschullehrer, Kinoverleiher, Rechtsanwalt etc.). Sie lädt zu einer ersten Versammlung im Luisengarten ein und stößt auf überwältigende Resonanz. Der Erfolg ermutigt einerseits dazu, die Gründung einer Genossenschaft voranzutreiben, andererseits Filmveranstaltungen in eigener Regie durchzuführen. Im Hintergrund arbeitet weiterhin die ‚Lenkungsgruppe‘ an einem organisatorischen Konzept und der Suche nach einem Raum. Viele Raumangebote erweisen sich aus den verschiedensten Gründen als ungeeignet. Das einzig vielversprechende Objekt ist die Aula des Mozart-Gymnasiums – einem Gelände, das laut Stadtratsbeschluss seit 2007 zum Verkauf stand. Hier könnte mit geringem Aufwand ein bespielbares Kino entstehen. Im September 2010 wird die Genossenschaft gegründet, die seit 20. September 2010 aus einem arbeitsfähigen Vorstand und Aufsichtsrat besteht. Die Vertragsverhandlungen mit der Stadt führen am 3. September 2010 zu einem Abschluss. Der Genossenschaft „Programmkino Würzburg“ wird erlaubt, die notwendigen Vorbereitungen für einen Start der Vorführungen ab November 2010 in Angriff zu nehmen. Die Initiative für das Programmkino Würzburg wurde 2012 mit der Kulturmedaille für herausragendes ehrenamtliches bzw. gemeinnütziges Engagement der Stadt Würzburg ausgezeichnet.

www.central-programmkino.de

Quellen:

Das Rößle eG, Todtnau

Foto: Hermann Jacob, Badische Zeitung

Foto: Hermann Jacob, Badische Zeitung

Das genossenschaftliche Dorfgasthaus „Das Rössle eG“ in der Gemeinde Todtnau im Schwarzwald ist ein historisches Baudenkmal aus dem Jahre 1783, welches nach jahrelangem Stillstand komplett renoviert und am 18. Januar 2013 wieder eröffnet wurde. Eine im Jahre 2010 gegründete Interessengemeinschaft installierte zum 14. Oktober 2011 eine Genossenschaft und erwarb das Anwesen zum Januar 2012. Im Laufe des Jahres 2012 wurde das denkmalgeschützte Schwarzwaldhaus komplett ausgeräumt und die beschlossenen Baumaßnahmen für die volle Renovierung umgesetzt. Das historische Dorfgasthaus konnte dann wie erwähnt termingerecht öffnen. Die Absicht, das Gasthaus wieder als kulturelle und gesellschaftliche Begegnungsstätte für die Dorfbevölkerung sowie für Gäste aus Nah-und-Fern zur Verfügung zu stellen, ist gelungen. Das typische Schwarzwaldhaus ist auch Drehort und Kulisse für die SWR-Familienserie „Die Fallers“ sowie für den Nachkriegsfilm „Ende der Schonzeit“. Für kulturelle Veranstaltungen soll ein Verein „Das Rössle“ gegründet werden. Ausstellungen, Theater, … – vieles ist denkbar. Zwei festangestellte Mitarbeiter und temporäre Kräfte will man beschäftigen. In einem zweiten Schritt ist es geplant, einen Dorfladen zu integrieren und regionale Produkte anzubieten. Das SWR Fernsehen zeigte im Mai 2014 eine halbstündige Dokumentation „Das Rössle – ein Dorf rettet seinen Gasthof.“

www.dasroessle.de

Quellen:

Leutkircher Bürgerbahnhof

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Die eingetragene Genossenschaft „Leutkircher Bürgerbahnhof“ in der Gemeinde Leutkirch im Allgäu ist weit über die Region hinaus zum Vorbild geworden. Mit einer genossenschaftlichen Finanzierung haben Bürgerinnen und Bürger Anteile für über 1 Mio. Euro erworben und mit Unterstützung von Landesfördergeldern ein über Jahre leerstehendes Kulturdenkmal grundlegend instand gesetzt. Der ehemalige Bahnhof wird wieder nachhaltig genutzt, er ist zu einem lebendigen Mittelpunkt in Leutkirch geworden.

Aus dem Grußwort des Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg Winfried Kretschmann zur Einweihung des renovierten Leutkircher Bürgerbahnhofs: „Mit der Einweihung des renovierten Leutkircher Bürgerbahnhofs am Wochenende des 20. bis 22. April (2012) findet eine vorbildliche und wegweisende Initiative ihren vorläufigen Höhepunkt: Im Oktober 2010 gründeten rund 150 Bürgerinnen und Bürger eine Bürgergenossenschaft mit dem Ziel, das denkmalgeschützte, allerdings sehr sanierungsbedürftige Bahnhofsgebäude in Leutkirch zu kaufen, zu sanieren und wiederzubeleben. Rund 18 Monate später ist die Initiative auf mehr als 650 Mitglieder angewachsen und verfügt über 1,1 Millionen Euro Bürgerkapital. Auch die Sanierung des historischen Gebäudes konnte inzwischen abgeschlossen werden. Den Genossenschaftsmitgliedern, allen Bürgerinnen und Bürgern sowie der Stadt Leutkirch gratuliere ich sehr herzlich zu diesem Erfolg. Die Bürgergenossenschaft Leutkirch hat Verantwortung übernommen – nicht nur für ihren Bahnhof, sondern für die gesellschaftliche Entwicklung in der ganzen Stadt. Ihre beispielhafte Initiative ist ein Leuchtturm für bürgerschaftliches Engagement und zeigt die Potenziale der Zivilgesellschaft. Zugleich wird aber auch deutlich: Mehr und bessere Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung setzen die Bereitschaft der Menschen voraus, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Landesregierung arbeitet daran, dass sich die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg noch stärker an der Weiterentwicklung und Gestaltung unseres Staates und unserer Gesellschaft beteiligen können. Ich bin überzeugt, dass die Menschen zukünftig mehr denn je ihr Wissen und ihre Erfahrung in die Weiterentwicklung der sozialen, kulturellen und ökologischen Bereiche unseres Lebens einbringen möchten. Mein herzlicher Dank gilt der Bürgergenossenschaft, ihren Vorständen, ihrem Aufsichtsrat sowie allen Mitgliedern für diese vorbildliche Initiative. Ich wünsche ihnen, dass sich der Bürgerbahnhof weiterhin so toll entwickelt und in Baden-Württemberg und ganz Deutschland viele Nachahmer findet.“

Der Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg ging 2014 an die Leutkircher Bürgerbahnhof eG. Mit dem Bürgerpreis würdigt die Denkmalstiftung das herausragende bürgerschaftliche Engagement der Leutkircher Bürgerbahnhof eG. Den Preis wurde der Vorsitzende des Kuratoriums der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, Staatssekretär Ingo Rust MdL, Anfang Oktober 2014 in Leutkirch übergeben.

www.leutkircher-buergerbahnhof.de

Quelle: