Drittes Reich

In der Nazizeit wurden auf dem Schießplatz Dornhalde Todesurteile an politisch missliebigen Personen vollstreckt. Uns sind folgende Opfer bekannt:

Ewald Huth

Huth, Konrad (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt- Mitte)

Sterbeurkunde Ewald Huth (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Mitte, via Recherche Wolfgang Kress)

Im Jahr 1944 wurde der Chordirektor und Organist Ewald Huth wegen seiner freimütigen öffentlichen Warnung vor dem Nationalsozialismus hingerichtet. Unter seiner Leitung waren im Villinger Münster seit 1921 zahlreiche bedeutende Werke auf hohem Niveau aufgeführt worden. Neben seiner kirchlichen Tätigkeit arbeitete Huth aber auch für eine Reihe weltlicher Chöre in Villingen und Umgebung. Die Übergabe der Regierungsgewalt an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 betrachtete Huth aufgrund seiner christlichen Prinzipien mit äußerster Skepsis. Dabei scheute er sich nicht, die verbrecherischen Machenschaften der neuen Machthaber in Gesprächen und Diskussionen öffentlich zu kritisieren. Im August 1943 erklärte Huth im Streit mit einer Nachbarin, deren Sohn eine „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“ (Napola) besuchte, wie froh er sei, selbst keinen Sohn zu haben, der mit den Nationalsozialisten sympathisiere. Die Politik der Nationalsozialisten, so Huth, sei ein Unterdrückungssystem und brächte weiterhin nichts als „Großmaulerei“ hervor. Kurze Zeit später traf Huth mit einem Fahnenjunker, einem überzeugten Nationalsozialisten zusammen, der um die Hand seiner ältesten Tochter anhalten wollte. Huth beabsichtigte, dem jungen Mann sein offenbartes Interesse auszureden, verschwieg bei dieser Gelegenheit jedoch auch ihm gegenüber nicht, was er von der Regierung hielt. So sei Goebbels ein verlogener „Maulheld“, der nichts als die „billigste Propaganda“ verbreite, das deutsche Volk aber würde „verdummt“ und von „größenwahnsinnigen Geistern“ geführt.

Kein halbes Jahr später wurde Huth sowohl von der genannten Nachbarin als auch von dem jungen Fahnenjunker bei den Behörden denunziert. Die Anzeigen führten zur Verhaftung Huths am 19. Januar 1944. Am 1. März 1944 wurde nach Abschluss der Ermittlungen Anklage erhoben. Huth habe durch seine öffentlichen Äußerungen „den Willen des deutschen Volkes zur wehrhaften Selbstbehauptung zu lähmen oder zu zersetzen gesucht“. Rund einen Monat später kam es in Stuttgart vor dem SS- und Polizeigericht IX zur Hauptverhandlung. Den Gerichtsvorsitz führte SS-Richter Otto Hoffmann, zu diesem Zeitpunkt als Höherer SS- und Polizeiführer ranghöchster SS-Offizier im Südwesten des Reichs. Huth wurde „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt.

Dem grausamen Urteilsspruch folgte eine erneute monatelange Haftzeit, während der Huth zuerst im Zuchthaus Ludwigsburg gefangen war. Im September 1944 verlegten die Behörden Huth in das Polizeigefängnis nach Leonberg. Während dieser fünfmonatigen Gefängnishaft entwickelte sich Huth zu einer verehrten Vertrauensperson für seine Mitgefangenen. Diese erfanden für den hilfreichen Mann, der stets aufbauende Worte für sie übrig hatte, bald den liebevollen Namen „Papa Huth“. Am 15. Oktober 1944 wurden die Gnadengesuche durch Himmler abgelehnt. Damit war das Todesurteil von höchster Stelle bestätigt, die letzte Hoffnung zunichte. In der Nacht vor seiner Hinrichtung verfasste Huth ein letztes eindringliches Vermächtnis an seine Familie, in dem noch einmal seine ungetrübte Glaubenstiefe deutlich wurde. Im Angesicht seines Todes bat er um Gnade für seine Feinde. Am 1. November 1944 brachte ihn ein Polizeikommando von Leonberg auf den Schießplatz Dornhalde bei Stuttgart, wo er um 7.10 Uhr erschossen wurde.

Quelle:

  • Biografie auf Landeskundlichen Portal LEO-BW
  • Sterbeurkunde Ewald Huth (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Mitte via Recherche Wolfgang Kress)

 

Gustav Stange

Sterbeurkunde Gustav Stange (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Stammheim, via Recherche Wolfgang Kress)

Sterbeurkunde Gustav Stange (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Stammheim, via Recherche Wolfgang Kress)

Gustav Stange wurde am 20. Februar 1942 auf der Schießbahn Dornhalde erschossen, weil er sich standhaft weigerte, seinem Stellungsbefehl nachzukommen. Er wollte keinen Eid auf Hitler leisten und auch keine Waffe in die Hand nehmen. Der 39-jährige wurde am 20. Februar 1942 von einem Stuttgarter Kreigsgericht wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt. Gustav Stange war Teil der Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas – früher auch als „Ernste Bibelforscher“ bezeichnet. Diese geriet nach 1933 mit den Nazionalsozialisten in Konflikt und wurde in Baden-Württemberg bereits im Februar 1934 verboten, weil sie sich dem Führerkult und dem Hitlergruß verweigerten.

Die Stammheimer Stolperstein-Initiative erinnert mit ihrer Gedenkplakette – der ersten in Stuttgart für einen Zeugen Jehovas – vor der Münchinger Straße 5 an Gustav Stange. Im Haus daneben – in der Böblinger Straße 103 – befand sich die Schuhmacherei Schlegel, in der bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht am 20. Januar 1942 Gustav Stange aus Stammheim gearbeitet hatte.

Quelle:

 

Max Bender

Sterbefallanzeige Max Bender (Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, via Recherche Martin Schweyher)

Sterbefallanzeige Max Bender (Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, via Recherche Martin Schweyher)

Zu der Person Max Bender und dem Todesurteil sind uns bisher leider keine weiteren Details bekannt.